Heute ist der Anfang vom Rest meines Lebens

Vorsätze, Grundsätze, Pläne und Konstrukte. To-Do-Listen und was noch mehr. Davon hat wohl jeder seine eigene Kollektion in unterschiedlichem Umfang für das eigene Leben. Bei vielem ist es einfach nur die Tatsache, es sich vorzunehmen. Oder aber schon allein der Gedanke, der Traum daran, erfüllt den Menschen mit Freude, Aufregung oder innerer Zufriedenheit. Einmal auf den Mount Everest steigen, das Tajmahal sehen, einen Hund besitzen oder im hohen Alter mit dem Seelenverwandten auf der Veranda des eigenen Häuschens den Sonnenuntergang bewundern. Bei vielen Topics, Aims und Zielen wissen wir eigentlich schon heute, dass wir das so wohl in diesem Leben nicht gebacken bekommen. Dennoch ist das Beschreiben von diesen Wunschlisten ähnlich wie mit der Sehnsucht nach Unsterblichkeit und ewiger Jugend: wir wissen sehr wohl um die unrealistische Möglichkeit.

Ich werde meine Wunschliste nochmal überarbeiten. Setze mich nicht mit Zielen, die ich sowieso nicht erreichen werde oder kann, unter Druck. Ich lerne die Freude und die Erfüllung zu verspüren, die man so schnell bei kleinen Erfolgen missachtet, wahrzunehmen. Heute ist der Anfang vom Rest meines Lebens. Ich werde jetzt und sofort mein Leben als kostbarstes Gut und Kapital wahrnehmen. Jegliche Verschwendung dieses Kapitals muss unterbunden werden. Mal schauen, wie lange ich dafür brauche. Mal schauen, ob das überhaupt klappt. Mal schauen, wie lange es dann auch anhält. Wir werden sehen, insallah.

Mega wichtiges, was abgehackt ist

  • Grobes Charaktergerüst aufgestellt, Selbstfindung in groben Zügen erledigt
  • Seelenverwandten gefunden, überredet, festgenagelt- Lizenz für exklusive freie Verwaltung in der Tasche
  • die schönsten Kinder bekommen- können eventuell noch einige Modelle hinzugefügt werden
  • pilgern nach Mekka und Medina- doppelt hält besser, deshalb unbedingt mindestens noch einmal hingehen
  • passenden Beruf finden

 

Worauf ich noch mehr achten sollte

  • weniger schlafen; Schlaf wird wirklich überbewertet. Man sollte nur soviel wie der Körper tatsächlich braucht schlafen. Alles andere ist Zeitverschwendung
  • mehr lesen; quer durch die Bandbreite, alles was dem Verstand und der Seele gut tut, durch die zwei Fenster im Kopf hineinlassen
  • innerlich ruhiger, gelassener und gefestigter werden
  • Fokus auf Gebete und Rituale setzen; wenn die sitzen kommt vieles von allein; Autogenes Training, Yoga, und Co. sind meiner Meinung nach auch nur Ersatz für das eigentliche Gebet
  • Aufgaben schneller erledigen und sich nicht von dem schnell zusammenkommenden Berg überwältigen lassen
  • mehr mehr mehr Zeit mit Kindern verbringen; Zeit, die ich nie wieder zurückholen kann; das, was eigentlich an Erinnerung am Ende bleibt, wenn sie dann mal flügge sind…

 

Was ich noch machen muss, bevor…

  • mindestens ein Buch schreiben
  • Promovieren
  • Disneyland
  • Lachgas
  • Bücher im Regal fertig lesen
  • Französisch und Englisch aufpolieren
  • eine neue Sprache lernen
  • Nach Indien, Indonesien, Provence und Afrika reisen
  • ein Haustier haben; damit meine ich alles was nicht Federn hat und nicht im Wasser lebt- kurz was man knuddeln und streicheln kann
  • auf der Abifeier meiner Kinder so sehr heulen, dass es peinlich wird
  • Enkelkindern Märchen erzählen, die sie so nirgends gehört haben
  • to be continued….

 

Foto: http://richarddingwall.name/wp-content/uploads/2009/07/to-do-list-nothing.jpg

 

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In die Kita und danach heulen

Ich mache das ja nun schon zum zweiten mal mit. Aber zweimal heißt schon lange nicht geübt, besser, professionell oder härter. Nein! Die Tragödie spielt sich eins zu eins nochmal ab. Ein deja-vue also. Über unsere deutschen Kitas lassen sich ja heute alle aus. Auch ich werde dazu dann noch meinen Senf abgeben. Aber nicht heute. Dafür ist der Kloß in meinem Hals viel zu groß, die Augen viel zu angeschwollen und die Nase zu feucht. Als Mutter macht man ja mit den Kindern die interessantesten Sachen mit: Zahnen, Laufen, Radfahren, Kinderkrankheiten pi pa po. Aber ich finde das schwerfälligste ist dann doch die Eingewöhnungsphase in die Kita. Ich weiss nicht warum. Ich kann mir das eigentlich nur damit erklären, dass ich an der akuten Trauer, dem Trennungsschmerz meines Kindes mitverschuldet bin. Ja, manche mögen mir jetzt widersprechen und ganz pädagogisch daher kommen und sagen „das tut dem Kind doch gut! Es muss ja unter gleichaltrige“ und noch so in der Art. Aber sorry Leute. Vor exakt zwei Stunden habe ich mein dreijähriges Kind heulend in der Kita gelassen. Da hilft weder Montessori noch Freud. Es ist wie es ist. Ich fühle mich hundeelend. Als ob ich mein Kind in einem Stall voller Kinder und nicht wirklich begnadeter und scheinbar noch weniger motivierter Erzieherinnen ausgesetzt hätte. Selbstverständlich habe ich mich nach 10 Minuten telefonisch erkundet, wie es dem Kind geht. Es solle mit der Erzieherin in der Bau-Ecke spielen und nicht mehr weinen. Stimmt wahrscheinlich-gehört habe ich es zumindest im Hintergrund nicht.

Wie fühle ich mich jetzt?

Nicht frei und auch nicht sorglos.Vielleicht kommt das noch. Es ist eine schwerfällige Trägheit eine umfassende Ohnmacht auf mir. Vielleicht vergeht das. Um die Zeit bis zum Abholen besser überbrücken zu können, habe ich mich an diesen Text gesetzt. Eigentlich hätte ich laut Plan eine Menge anderer Dinge zu tun. Dafür habe ich jetzt weder die Kraft noch die Lust. Ich als Mutter, die sich vor zwei Stunden von ihrem Kind trennen musste, darf man das. Und das ist gut so!

 

Photo: http://www.google.de/imgres?imgurl=http%3A%2F%2Fwww.muhteva.com%2Fresimler%2Fmasausturesimleri%2FAglayan-Bebek-Resimleri.jpg&imgrefurl=http%3A%2F%2Fwww.muhteva.com%2Faglayan-bebek-resimleri-t195875.html&h=797&w=1048&tbnid=OaQ2gbtws9sGjM%3A&zoom=1&docid=pUiMgMVGGAj1hM&ei=sIC1U6vvH_TS4QTF4oDADw&tbm=isch&iact=rc&uact=3&dur=768&page=1&start=0&ndsp=23&ved=0CCkQrQMwAw