Nachbar-schaf(f)t

Ich nehme mir nun seit zwei Wochen immer wieder vor diesen Text zu bloggen. Entweder kommt privat etwas dazwischen oder die globale mediale Situation ist derart miserabel, dass ich keinen Buchstaben zum anderen zusammen bringen kann. Ich meine in Deutschland braut sich gerade eine braune #Pegida Brühe zusammen, die CSU wünscht sich auch zu Hause nur noch deutsch zu sprechen. In Australien nimmt ein Spinner gleich ein ganzes Geschäft samt Kunden zur Geisel (die Situation eskalierte und 3 Menschen starben), in Pakistan verüben Terroristen einen Anschlag auf eine Schule (viele Kinder starben dabei) und in der Türkei werden Journalisten verhaftet weil sie an ihrer Meinungsfreiheit festhalten. Alles nicht so wirklich das gelbe vom Ei.

Daher nun mal ein Text der ganz und gar positiv ist!

Gute Nachbarschaft macht das Leben lebenswerter. An dieser Theorie verharre ich wirklich sehr stark. Ich finde, die Moderne macht es der Nachbarschaft nicht unbedingt einfach. Die Menschen arbeiten oft viel und lange. Sie müssen oft ihre Wohnorte wechseln. Ebenso verhilft der Drang nach Entspannung und Individualität nicht unbedingt das gesellige Beisammensein von Menschen, die ihre Räumliche Nähe nicht direkt selbst bestimmen dürfen. Wir können uns unsere Nachbarn, wie auch unsere Verwandten, nicht wirklich selbst auswählen. Im Vergleich zu den Verwandten kann man seinen Nachbarn die Nachbarschaft kündigen, in dem man wegzieht.

Nun denn. Mein momentaner Wohnort ist bereits der fünfte, das heisst ich habe bisher in fünf völlig verschiedenen Städten, die in ganz unterschiedlichen Bundesländern sind, gewohnt. Immer wenn ich neu einziehe und mit dem Umzug durch bin, schreibe ich allen Mitbewohnern im Haus eine kleine Karte in der wir uns kurz vorstellen. Auf den letzten beiden stand mit dabei, dass wir in einigen Wochen Nachwuchs erwarten und uns im voraus für eventuellen nächtlichen „Lärm“ entschuldigen. Viele meiner Nachbarn haben im Gegenzug mit einer kleinen Willkommensbotschaft  geantwortet oder die „neuen Nachbarn“ recht freundlich gegrüßt, denn nun wusste man ja mehr über uns. Ich muss sagen, in puncto Nachbarn hatte ich wirklich immer Glück. Es waren immer sehr nette Menschen dabei. An schlechte kann ich mich wirklich nicht erinnern. Klar hat der eine oder andere mal einen schlechten Tag und schaut etwas grimmiger oder grüßt nicht auf Anhieb, aber das ist glaube ich alles noch im menschlich-normalen Rahmen gewesen.

Als wir vor drei Jahren von Heidelberg nach Frankfurt zogen war ich hochschwanger und hatte auch noch ein Kleinkind von knapp drei Jahren. Unser Haus besteht aus sechs Wohnungseinheiten und die meisten wohnen schon seit Jahren hier. Wir sind die ersten und auch die einzigen im Haus mit Migrationshintergrund. Anfangs hatten die Nachbarn nicht wirklich eine Vorstellung, wie und ob das klappen kann, da man ja soviel über „die anderen“ hört. Dennoch hatte keiner von uns Berührungsängste und war auch nicht ganz und gar voreingenommen. Für uns waren unsere Nachbarn nicht DIE DEUTSCHEN und für unsere Nachbarn waren wir nicht DIE MIGRANTEN. Alle bedankten sich für die nette Karte und lobten den Text. Zur Geburt unserer zweiten Tochter kamen alle und gratulierten.

So kam es denn, dass wir immer an diversen Festen uns mit gegenseitigen kleinen Geschenken oder netten Karten eine kleine Freude machen. Die Geburtstage der Kinder, Einschulung, Kita-Beginn oder Nikolaus werden im Haus gemeinsam „gefeiert“. Man trifft sich zum türkischen Tee oder zu weihnachtlichem Stollen, Grund haben wir ja genug um zusammen zu kommen. Man hilft sich aus, achtet auf die Wohnung des anderen, wenn er mal nicht da ist und ist zur Stelle als Nachbar. Ich weiss sehr wohl, dass es, vor allem in Großstädten, nicht selbstverständlich ist, dass man seine Nachbarn alle kennt und so nachbarschaftlich miteinander gut zurecht kommt. Ich zu meinem Teil kann sagen, dass ich mich für meine älteren Nachbarn im Haus ein Stück weit verantwortlich fühle. Wenn ich weiß, dass jemand im Haus krank ist oder trauert, dann möchte ich diesem Menschen sein „Leid“ ein Stück weit abnehmen. Ich freue mich, wenn meine Teller, die ich zuvor mit gekochtem oder gebackenen im Haus verteilt hatte, mit einem großen Lächeln und herzlichem Danke zu mir zurück kommen. Ebenso empfinde ich ein Nachbarschaftstreffen vom gesamten Haus bei meinen deutschen Nachbarn als wirklich besinnliches Zusammenkommen. Es ist machbar und im Grunde genommen wirklich einfach. Es muss nur jemand den ersten Schritt wagen. Seien Sie nicht schüchtern, schreiben Sie doch mal Ihren Nachbarn eine Karte ♥

PS: Dieses Bild stammt aus unserem letzten Nachmittagskaffe im Haus mit allen Nachbarn bei Familie Böning. Es war wirklich ein sehr schöner Nachmittag.

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