Welcher Lehrer prägte uns auf dem Gymnasium Maria Stern?

Schule

Das Kopftuchverbot ist seit kurzem aufgehoben und Debatte dreht sich nur noch um das Stück Stoff. Die Urangst, dass viele kleine Kinder nun mit Kopfbedeckung in den Schulreihen sitzen, weil sie alle von ihrer Lehrerin mit Kopftuch geprägt sind, scheint nicht nur ein Gerücht zu sein. Ob wir inhaltliche Probleme in unserem Schulsystem haben, scheint momentan niemanden zu interessieren. „Mit“ oder „Ohne“ das ist hier die Frage,à la Shakespeare. Aber ist diese Angst berechtigt? Kann es tatsächlich sein, dass ein Lehrer mit seiner religiösen Haltung und seinem Kleidungsstil prägt? Oder präziser gefragt: Welcher Lehrer prägt?

Ich habe neun Jahre meines Lebens auf einem katholischen Mädchengymnasium verbracht. Man sieht es mir nicht wirklich an, aber im Grunde genommen bin ich stock-katholisch. Ich kann immer noch das Vaterunser auswendig und Dona nobis pacem kann ich einwandfrei singen. Dennoch bin ich nicht Klosterschwester geworden. Nicht nur ich bin es nicht geworden, keine von den anderen Schülerinnen hat sich für diesen Weg entschieden.

Der Beruf des Lehrers ist ja so kein Beruf sondern eine Berufung. Manch einer verbringt ja mehr Zeit mit seinen Lehrern als mit seinen Eltern. Was aber von diesen Lehrern nehmen wir mit ins Leben? Gibt es da auch etwas persönliches, etwas privates, was man vom Lehrer übernimmt?

Flashback: Gymnasium Maria Stern

Ich streife durch meine Jahre am Gymnasium Maria Stern. Pro Jahr im Schnitt 10 Fächer mit mindestens 8 verschiedenen Lehrern. Die These ist, nichts kann im Schulbetrieb absolut objektiv sein, denn auch das Objektive wird durch unser Subjektives gelenkt. Dennoch beeinflusst bei professionellen und wirklich guten Lehrern das Subjektive lediglich die Art wie sie ihren Stoff und ihr Fach vermitteln. Ihr privates Leben oder ihre persönlichen Vorlieben bleiben im Hintergrund. Je mehr sich ein Lehrer für sein Fach berufen fühlt, je stärker seine Muse dafür ist, umso intensiver und interessanter kann er es auch vermitteln. Was sein Sternzeichen und seine Konfession dabei ist, ist absolut irrelevant.

Wer prägte uns damals…

Alle Absolventinnen des Gymnasiums Maria Stern werden nun genau wissen wen ich meine, die breite Masse darf sich alles imaginär vorstellen.

Frau P.

Begnadete Biologie und Chemie Lehrerin. Nicht verheiratet, keine Kinder. Zog immer nur Hosen an, ich habe diese Frau tatsächlich kein einziges mal mit einem anderem Stil gesehen. Gleicher Haarschnitt, gleicher Hosenschnitt, Bluse oder Poloshirt. Sie ist die einzige, die ich kenne, die auf den Galapagos Inseln war. Sie berichtete von ihrer Reise und wir waren alle hin und weg.  Mit ihr haben wir zum ersten mal am Bunsenbrenner mit Laborkittel und Schutzbrille experimentiert. Ach ja, das Ochsen-Auge hatten wir auch bei ihr auseinander genommen.

Frau G.

Sie hätte Mozarts Schwester sein können. Ich glaube sie hat fast jedes Instrument gespielt. Ihr blondes Haar war immer kreativ gelockt. Interessant war, dass sie angeblich 100 Paar Schuhe hatte, da ihr Vater ein Schuhgeschäft hatte. Sie leitete die Schulband und führte auch mal moderne Stücke mit Schlagzeug und Co. im Schulkonzert auf.

Schwester A.

Mathe und Musik. Schöne Kombination könnte man sich denken. Ihre feine Statur kam auch immer wieder im Unterricht zum Vorschein. Es hatte wohl keiner ihrer Schülerinnen über das Herz gebracht, ihr zu sagen, dass Mathe ein Fehlgriff war. Sie hatte es sich selbst irgendwie beigebracht, aber den anderen konnte sie es leider nicht so gut vermitteln. Ganz anders in Musik. Da ging Schwester A. richtig auf.

Herr Z. 

Vieles was Herr Z. sagte verstand ich einige Minuten danach, er hatte einen sehr starken bayerischen Akzent. Die Kunst war sein Ding. So begabt und ganz und gar in seinem Element. Nach vielen Jahren wurde im Neubau das obere Stockwerk als Kunstbereich erweitert, wo Herr Z. Ideen einbringen konnte. Helle Räume ganz oben mit breiten Holztischen. „Licht und Ruhe, das braucht man zum Malen!“ sagte er immer.

Frau R.

Deutsch und Geschichte waren ihre Fächer. Sie hatte einen Mann, eine Katze und keine Kinder. Diese kleine und zierliche Frau war quasi immer in Trachten Mode unterwegs (das Gegenstück zu Frau P. in puncto Mode). Wir haben sie in den ganzen neun Jahren nicht in Hosen gesehen. Immer absolut modisch, immer mit einer Uschi Glas Kurzhaarschnitt Frisur.

Frau N.

Sie war höchstwahrscheinlich zu ihrer Jugendzeit ein Hippie, das ließ zumindest ihr etwas chaotischer Kleidungsstil vermuten. Sie unterrichtete Geschichte und (?). Sie hatte eine Adoptivtochter. Wenn sie aufgeregt erzählte, strahlten ihre großen blauen Augen.

Herr A. 

Erdkunde und Wirtschaft waren seine Fächer. Es gab an unserer Schule auch eine Frau A., die Ehefrau. Eigentlich gab es an unserer Schule erstaunlich viele Lehrer-Ehepaare. Herr A. war ein ruhiger und genüsslicher Mensch. Im Wirtschaftsunterricht  kamen fast ausschließlich Leberkäse Beispiele.

Was ist von all dem hängengeblieben?

Wie man sieht war das Lehrerkollegium sehr bunt und unterschiedlich. Wir haben uns alle für ganz unterschiedliche Berufe entschieden von der Anwältin, der Biologin zur selbständigen Marmeladeverkäuferin ist alles vertreten. Wir haben uns für die Themen und Inhalte begeistern lassen. Was wer angezogen hat, wie jemand politisch eingestellt war oder welcher Konfession er angehört, blieb da wo es hingehört, bei seinem Eigentümer. Wir haben unsere Lehrer, so unterschiedlich sie auch waren, alle gern gehabt, egal ob Ordensschwester, Sportskanone, Biergarten-Fan oder Faschionista. Was zählt ist der Inhalt und nicht die Verpackung 😉

Fotoquelle : © S. Hofschlaeger / pixelio.de

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