Schreibst du noch, oder tippst du schon?!

Ganz ehrlich- wann habt ihr zuletzt einen Brief geschrieben oder bekommen? Mit Brief meine ich einen echten- so richtigen Brief, auf Papier per Hand geschrieben, mit einem Stift. Die meisten wahrscheinlich schon vor sehr sehr langer Zeit! Schade eigentlich…

Briefe haben so etwas persönliches. Sie sind vertraulich und voller Emotionen. Man teilt einen besonderen Moment mit einer speziellen Person. Eigentlich verewigt man dann auch gewisse Ereignisse und Gefühle. Manchmal sind Briefe auch wie Weine- mit der Zeit werden sie so richtig gut, der Genuss kommt also erst wesentlich später.

Für Menschen, die weder Absender noch Empfänger eines Briefes sind, haben diese immer eine anziehende Kraft. Jahre später, wenn manche von ihnen veröffentlicht werden entlocken sie beim Leser voyeuristische Gelüste. Man liest einen Brief, obwohl man doch weiß, dass er nicht für uns bestimmt war und ergötzt sich ein Stück weit daran.

Briefe lehren eigentlich Verfasser und Empfänger die Geduld. Die Geduld etwas zu empfangen und die Geduld eine Antwort auf das Geschriebene zu bekommen. In unserer heutigen Zeit eine Gabe, die stark vom Aussterben bedroht ist, wo doch alles nur einen Touch entfernt ist. Wir haben keine Geduld mehr. Schade eigentlich… Denn manches gewinnt an Bedeutung und Wert, wenn man darin Zeit investiert!

Ich habe vor kurzem einen Brief von Katharine Branning erhalten, völlig überraschend. Ich kann die Freude, die mir die Zeilen gemacht haben nicht beschreiben. Ich habe ihr geantwortet und auch das Verfassen des Briefes hat mich tatsächlich erfüllt und mir eine wunderbare Freude bereitet. Eigentlich habe ich viele Freunde in Deutschland, ja selbst in Frankfurt, denen ich ab und zu einen Brief schreiben könnte- wieso haben wir denn so eine schöne Tätigkeit verkommen lassen?

Wann habt ihr das letzte mal einen Brief geschrieben oder bekommen? Wenn ihr euch denkt „schon vor einer halben Ewigkeit?“ dann schreibt doch wiedermal, statt immer zu tippen….

 

Bild: Jean Raoul (1677-1734). Der Brief. Louvre, Paris.

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Ein Gedanke zu “Schreibst du noch, oder tippst du schon?!

  1. Hej,
    Da ich zu den Menschen gehöre, die sehr gerne Texte verfassen (außer es handelt sich um Kram, den man schreiben muss). Aus diesem Grund und weil ich weiß, wie sehr man sich über einen Brief freuen kann, schreibe ich ein paar Leuten meist zumindest zum Geburtstag einen Brief. Es ist viel persönlicher und gefühlt auch wertvoller, als eben eine Nachricht übers Internet zu verschicken. Kurz überlegt, abgesendet, fertig. In einem Brief steckt viel mehr. Erst vorgestern habe ich einen Geburtstagsbrief abgeschickt und freue mich, wenn er dann auch beim Geburtstagskind ankommt (:
    Liebe Grüße, Finnja

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