Der misslungene Abnabelungs-Prozess der Deutsch-Türken

Heute ist der letze Tag für die Wahlbeteiligung der Deutsch-Türken für die nächste Woche in der Türkei stattfindenden Wahl. Wie hoch die Wahlbeteiligung nun im Endeffekt wirklich war wissen wir noch nicht. Dass diese jedoch im Vergleich für kommunale oder Bundestags- Wahlen in Deutschland (für doppelte Staatsangehörige) wesentlich höher ist, ist klar. Es gibt regelrechte Massenorganisationen, Moschee-Predigten und en-masse Flyer und Werbung. Die Deutsch-Türken können von der Faszination „Türkei-Politik“ nicht ablassen. Besonders authentisch sind die AKP-Anhänger. Sicherlich ist es nicht verwerflich das Geschehen in der Heimat aktiv zu verfolgen, sogar als wohl einzige Nation auch aus dem Ausland an der Wahl eine Beteiligung Kund zu tun. Dennoch scheint der natürliche Abnabelungs-Prozess nicht wirklich gelungen zu sein.

Ich sehe in meinem Umfeld viele Menschen mit türkischer Abstammung, die nun seit mehr als 20 Jahren hier leben und arbeiten, die Wurzeln die sie hier geschlagen haben reichen dennoch nicht tief genug in die Erde. Es mag sein, dass das Gastland nicht unbedingt die besten Konditionen bietet. Nichts desto trotz kann und will ich der Tatsache, dass viele mit dem Körper in Deutschland, dem Geist und der Seele in der Türkei leben, nicht leichten Herzens zusehen.

Vielleicht muss man sich neu definieren, umorientieren vielleicht sogar neu entscheiden. Man muss nicht zwingend sagen „entweder-oder“. Man muss aber fairer weise vielleicht endlich „sowohl- als auch“ sagen können. Wer sich nicht die Mühe macht etwas zu verändern, mitzuwirken, hat nicht das Recht sich zu beschweren. Dies betrifft übrigens sowohl die „Migranten“ als auch die „Einheimischen“.

Wahlbeteiligung ist wichtig aber…

Die Wahl ist ein besonders wichtiger Grundsatz in einer Demokratie. Sie ist ein ganz hervorragendes Kriterium und auch Utensil des Volkes. Meine Stimme sollte daher von außerordentlicher Bedeutung für den Politiker sein. Nicht nur in der Türkei sondern weltweit ist es leider Fakt, dass Politiker gerne vor den Wahlen ganz große Versprechen machen, nach der Wahl jedoch an einer starken Amnesie erkranken und sich an nichts mehr erinnern mögen. Die verzwickte Situation in der Türkei ist nun seit mehreren Wahlen diese, dass es keine wirklich gute Alternativen gibt, dass Korruption und Wahlfälschungen Gang und Gebe sind und dass wohl kaum einer mehr den Glauben mehr aufbringen kann, dass sich in diesem Land nun endlich etwas ändern könnte.

Ich  habe als doppelte Staatsangehörige meine Stimme abgegeben (ebenso bei den Wahlen in Deutschland vorher). Ich habe vorher gründlich alle Parteiprogramme und Mandanten „studiert“. Meine Wahl war wohl eher das „leichtere Übel“ und kaum die perfekte Besetzung. Ich bin über und über enttäuscht von der Türkei und ihrer anti-demokratischen Haltung gegenüber Minderheiten, Frauen und den Anhängern der Hizmet-Bewegung. Ich bin mir fast sicher, dass mein Stimmzettel auf dem Flug in die Türkei mit einem anderen ausgewechselt wird. Aber die Täter sind auch nur Menschen und eventuell führt menschliches Versagen dazu, dass mein Zettelchen durchkommt. Ich habe aktiv versucht zu wirken, ob es dann auch noch klappt, ist eine andere Geschichte….

Foto: http://www.campusgruen-bonn.de/wp-content/wahl01.gif

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